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Wussten Sie schon,... (aus Buet 03 / 2015 / N°21)

… dass der bestbekannte Hesperinger Lokalhistoriker Pierre Anen gar nicht aus unserer Gemeinde herstammt?

 


Der junge Lehrer in Fentingen

(um 1907/08)

Geboren wurde Peter Anen am 06.09.1874 (die Heiratsurkunde vermerkt fälschlicherweise den Monat November) in Steinsel als Sohn des Tagelöhners und späteren Wegewärters Pierre Anen und dessen Ehefrau Clara Kohner. Er hatte noch vier Geschwister: Marie (1872 geb.), Suzanne (1877 geb.), Johann (1880 geb.) und Emile (1884 geb.). Alle Kinder kamen in Steinsel zur Welt, die beiden letzten im sogenannten „Wollhaus“.

Der junge Pierre Anen entschied sich früh für den Lehrberuf und erhielt 1893 ein Brevet des 4. Ranges der Normalschule (Note „genügend“). Zwei Jahre später bestand er dann das Examen zum Lehrbefähigungsbrevet (3. Rang). Bedingt durch den Abgang des früheren Fentinger Lehrers Franz Raus (1888-1895) nach Vianden übernahm Anen die vakante Lehrstelle bereits ab dem neuen Schuljahr am 01.10.1895, während der Hesperinger Gemeinderat bis zum bestandenen Examen abwartete, ehe er offiziell am 28.11.1895 zum Lehrer in Fentingen ernannt wurde. Die gemischte Schule in Fentingen bestand damals aus rund 30 Schülern, die allesamt von einem Lehrer unterrichtet wurden. 1907 beteiligte sich Anen an der Veröffentlichung eines „Rechenbuchs für die luxemburger Fortbildungsschule“.

Hochzeitsbild des Ehepaares Pierre Anen und Robertine Kleyer (1902 verh.)

Während dieser Zeit wohnte er in der Fentinger Gaststätte (heute King’s Pub) der Witwe Kleyer (Lucia Kleyer-Schneider) zur Pension, wo er dann auch deren Tochter Robertine Kleyer kennenlernte, die er am 27.08.1902 in Hesperingen heiratete. In Fentingen half er 1910 bei der Gründung eines neuen Gesangvereins, dem er auch als Vorstandsmitglied angehörte. Das Ehepaar bewohnte weiterhin das Haus der Brautmutter, blieb selbst aber lange kinderlos. Eine im Jahre 1921 geborene Tochter namens Lucia Clara Robertine sollte nur wenige Tage alt werden. Sie nahmen schließlich den 1894 in Itzig geborenen Joseph Grosber, den Cousin von Robertine Kleyer, zu sich („Bäisaz“). Dieser war das 14. Kind (!) der Familie Nicolas Grosber (Wirt) und Marianne Kleyer aus Itzig und lebte bereits seit etwa 1895 in dem Haushalt der Witwe Kleyer in Fentingen.

Bild vor der Gaststätte Kleyer (heute King’s Pub). Links Pierre Anen mit Ehefrau Robertine Kleyer, rechts daneben die Brautmutter Lucia Kleyer-Schneider. Ganz rechts Joseph Grosber.

Vor der Gaststätte der Witwe Kleyer (Bildmitte im Türrahmen) in Fentingen. Rechts daneben Robertine Kleyer und links auf dem Spielzeugpferd Joseph Grosber.

Wegen eines auftretenden Gehörleidens sah sich Pierre Anen schließlich nach zwanzig Jahren Lehrtätigkeit in Fentingen gezwungen, den Beruf aufzugeben und er übernahm ab dem 24.11.1914 den Posten des Gemeindeeinnehmers in Hesperingen.

Nachdem er sein Haus „am Fentengerbierg“ (20, rue de Bettembourg) im Jahre 1923 errichtet hatte und dort eingezogen war, half er vielen anderen Hesperingern durch unentgeltliche Beratung bei der Beschaffung von Krediten und dem Zeichnen von Plänen zum Bau eines Eigenheims und so werden die Reihenhäuser anfangs der „Rue de Gasperich“ auch heute noch gelegentlich als „Cité Pierre Anen“ bezeichnet. 1931 prozessierte er erfolgreich gegen die Gemeindeverwaltung wegen einer Reduktion seiner Besoldung, hinterlegte aber gleichzeitig die Summe von 5.000 Franken in eine Stiftung für bedürftige Schulkinder. In der Gemeinderatssitzung vom 05.09.1936 wurde Pierre Anen auf sein Gesuch hin ehrenvolle Entlassung als Gemeindeeinnehmer gewährt. Er verstarb am 07.03.1955 in Hesperingen an den Folgen eines Schlaganfalls, seine Ehefrau folgte ihm sieben Jahre später.

Pierre Anen mit Ehefrau auf der Terrasse ihres Eigenheimes in Hesperingen (20, rue de Bettembourg), das sie 1923 errichtet hatten.

 

Anen im Alter von fast 70 Jahren

Bekannt wurde Pierre Anen durch eine Reihe von historischen Arbeiten, die in Hesperingen 1934/35 zur Herausgabe zweier Broschüren führten, die auch heute noch als Standardwerk der Lokalgeschichte gelten dürften und 1975 gar neu aufgelegt wurden. Darüber hinaus hatte er in vielen Broschüren (der Gemeinden Hesperingen und Steinsel) lokale und regionale Gegebenheiten in akribischer Fleißarbeit aufgearbeitet und veröffentlicht (vieles in „Heimat und Mission“ und dem „Luxemburger Herz Jesu-Kalender“). Diese wertvollen historischen Aufsätze und ein Werk mit dem Titel „Luxemburgs Flurnamen und Flurgeschichte“ (1945) trugen dazu bei, dass er als Mitglied der „Sprachwissenschaftlichen und Volkskundlichen Abteilung im Großherzoglichen Institut“ aufgenommen wurde. Die Gemeinde widmete dem anerkannten Lokalhistoriker eine Straße.

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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